Hilfe, Tipps & Tricks

Allgemein

Eingestellt am 17.02.2013

  • Widersprüche: Egal was ihr beantragt - schon bald werdet ihr merken, dass kaum etwas ohne Wiederspruch geht. Ob Behindertenausweis, Pflegestufe, Verhinderungspflege, Sachbezüge oder sonst irgendetwas. Dadurch dürft ihr euch aber nicht entmutigen lassen. Und wenn der Wiederspruch abgelehnt wird, legt ihr den nächsten ein. Den Laptop, den wir für mich beantragt hatten, bekam ich nach einem dreiviertel Jahr; natürlich mit (Wieder-)Wiederspruch. Einzige Ausnahme ist der Antrag für einen Behindertenausweis beim Versorgungsamt. Dort sollte nach Ablehnung einfach ein neuer Antrag gestellt werden. Die Zeit, die für den Widerspruch verstreichen würde, wäre um ein vielfaches länger und der Aufwand würde sich nicht lohnen. Daher bekamen wir mal den Tipp von einer Rechtsanwältin: Immer schön neue Anträge stellen, bis die auf dem Amt, wenn sie den Antrag in der Hand haben, schon sagen: "Oh nein, nicht der/die schon wieder".
  • Postweg vermeiden: Anträge sind, wenn möglich, persönlich bei der zuständigen Behörde abzugeben oder abgeben zu lassen. Ansonsten landet euer Antrag auf irgendeinem Haufen auf dem Schreibtisch, fällt dann irgendwann herunter und kann natürlich nicht bearbeitet werden oder verschwindet ganz. Außerdem kann keiner sagen, dass der Antrag nicht angekommen ist, wenn ihr euch die Entgegennahme von der jeweilige Person quittieren lasst.
  • Hartnäckig sein: Wenn ihr einen Antrag gestellt habt, dürft ihr nicht warten, bis ein Bescheid kommt. Denn das kann durchaus schon mal mehrere Monate dauern. Nach spätestens vier Wochen heißt es das erst Mal nachfragen. Ansonsten wartet ihr noch, wenn ihr gar keine Hilfe mehr braucht. Wenn ihr dann eine zeitliche Zusage bekommt und nichts kommt, fragt ihr wieder nach. Ansonsten nach einer Woche. Wichtig ist, dass ihr immer am Ball bleibt und euch nicht kleinkriegen lasst. Dann weiß die Behörde gleich, dass sie euch nicht auf der Nase herumtanzen kann. Denn nur wer sich auch hartnäckig zeigt, kommt auch zu seinem Recht. Solche Dinge werden übrigens auch in der Akte vermerkt. Wer also einmal sein Ding durchzieht und von Anfang an anders auftritt, dem tritt auch die Behörde anders gegeüber.
  • Liste führen: Wenn ihr bei einer Behörde gewesen seid oder habt mit einem Sachbearbeiter telefoniert, dann schreibt euch auf mit wem und wann ihr gesprochen habt. Denn ihr seid in der Beweispflicht, wenn die Behörde murks gemacht hat und könnt sagen: "Ich habe aber am ... mit ... erst darüber gesprochen und der sagte mir, dass..." Und schon seid nicht ihr der Idiot, sondern der/die jenige, mit dem ihr gesprochem habt. Außerdem solltet ihr euch aufschreiben, wann ihr wem etwas schriftlich mitgeteilt habt. Am besten ist natürlich immer eine Kopie machen - auch von Antragen. Außerdem empfiehlt es sich eine Telefon- und Adressliste mit allen wichtigen Leuten und Behörden anzulegen.
  • Unterlagen griffbereit halten: Viele Unterlagen wird man, je nach schwere und Art der Erkrankung und was man beantragen will und muss (Behindertenausweis, Pflege, ALG II), immer wieder brauchen. Dazu gehören zum Beispiel Kontoauszüge, Behindertenausweis, Einkommensnachweise, Pflegeanerkennung, Arzt- und Krankenhausberichte, usw. All diese Sachen sollte man immer in Kopie drei mal bereithalten, weil man sie grad am Anfang des Behördenwahnsinns, wenn man mit dem ganzen Beantragen anfängt, immer wieder braucht. Wenn man alles immer mehrmals in Kopie bereit hat, spart es eine Menge Zeit und Neven. Dann stellt man einen Antrag, füllt ihn aus, nimmt sich an Kopien was man braucht und fertig. Außerdem sollte man sich von seinem Hausarzt jegliche Berichte von Kliniken oder anderen Ärzten, die er bekommt, einmal in Kopie geben lassen. Hat sich bei mir als recht effektvoll bewiesen, da man schnell mal Berichte beilegen kann, die eine Behörde sonst erst noch anfordern müsste, was natürlich wieder dauert.

Ämter und Behörden

Eingestellt am 24.11.2013

Eigentlich sollen alle Kosten des täglichen Bedarfs mit dem Hartz IV-Regelsatz gedeckt werden. In manchen Lebenssituationen, beispielsweise bei alleinerziehenden Elternteilen, die sich allein um die Pflege, Erziehung und Versorgung eines oder mehrerer Kinder kümmern, fallen aber höhere Kosten an. In diesen Situationen kann man den Mehrbedarf für Alleinerziehende nach § 21 Abs. 3 SGB II beantragen geltend machen. Wie das geht und was es zu beachten gibt lest ihr hier.

Aktualisiert am 28.02.2013

  • Die Eingliederungsvereinbahrung der Jobcenter ist ein offener Verwaltungsvorgang zwischen Sachbearbeiter und Leistungsbezieher, auf den der Empfänger tatsächlich Einfluß nehmen könnte, wenn er wüsste, wie. Denn viel zu oft haben auch hier die Jobcenter die Hand drauf, weil den Hartz IV-Empfängern das nötige Wissen fehlt. Hier findet ihr einige Hinweise und Tipps.
  • Harald Thomé, Referent für Arbeitslosen- und Sozialhilferecht und Mitbegründer des Erwerbslosen- und Sozialhilfevereins Tacheles e.V., baut ein unglaubliches Netzwerk auf, in dem er nach erfolgreicher Klage Durchwahlnummern von Sachbearbeitern der Jobcenter veröffentlicht; und es werden mehr und mehr. Außerdem findet man dort die aktuellen Dienstanweisungen der Bundesagentur für Arbeit zum SGB II (Hartz IV). Damit kann man unter Umständen herausfinden, ob der vermutlich falsche Leistungsbescheid ein Versehen oder geplante Schikane ist. u.v.m.
  • Rechtsdurchsetzung bei Hartz IV: Ungerechtigkeiten, rechtswiedrige Bescheide oder versagen zustehender Leistungen: Bezieher von ALG II haben es im Alltag mit dem Jobcenter nicht leicht. Hier findet ihr einige Tipps und Gesetze zum Umgang mit der Behörde.
  • Antragstellung ALG II: Anträge auszufüllen, das ist eine Sache für sich. Schnell schleichen sich Fehler ein, man versteht die Hälfte nicht, braucht Millionen Unterlagen, und und und. Die "Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen" vom "Förderverein gewerkschaftliche Arbeitslosenarbeit e.V." hat allgemeine Hinweise zusammengestellt, die wirklich lesenswert und hilfreich sind. Ob der erste Antrag oder schon erfahrener, ich lege diese sieben Seiten jedem ans Herz, da sie einem das Leben doch sehr erleichtern können.

Krankheit & Behinderung

Eingestellt am 17.02.2013

  • Der tabellarische Krankheitsverlauf: Stellt man einen ersten Kontakt zu Ärzten oder Kliniken her und hat man schon eine längere Krankheitsgeschichte mit vielen Ärzten, Meinungen und Untersuchungen hinter sich, ist es ratsam, einen tabellarischen Krankheitsverlauf anzufertigen. So können die Ärzte, Kliniken, u.a. auf einen Blick sehen, worum es geht und was sie wissen wollen. Einen verfassten Text oder mehrere endlose Krankenhausberichte zu lesen, dafür hat heute keiner mehr Zeit. Daher ist es ein guter Tipp, den ich selbst einmal bekommen und sofort umgesetzt habe. Empfiehlt sich gerade bei längeren Krankheitsgeschichten, bei denen die Texte mehrere Seiten sprengen würde. Der Vorteil: Auch wenn der tabellarische Krankenverlauf mehrere Seiten lang werden kann ist er übersichtlich, die Ärzte finden sofort, was sie wissen wollen und auch Untersuchungsergebnisse sind im Optimalfall darin enthalten. Dafür ist es natürlich nötig alle Berichte vorliegen zu haben, was aber sowieso ratsam ist. Diese muss man nicht unbedingt verstehen, da man die Ergebnisse 1:1 übernehmen sollte. Ich habe meinen Krankheitsverlauf einmal stark eingekürzt und ihr könnt ihn hier einsehen, damit ihr eine ungefähre Vorstellung habt, wie so etwas aussehen könnte. Dieser ist keine festgelegte Vorlage und soll euch nur als Anregung dienen.
  • Patientenverfügung und Generalvollmacht: Ein Thema, dem sich leider meist nur Menschen zuwenden, bei denen erkennbar oder absehbar ist, dass sie bald selbst körperlich oder geistig nicht mehr in der Lage sind, sich um bestimmte Angelegenheiten zu kümmern oder wichtige Entscheidungen zu treffen. Doch sollte sich meiner Meinung nach jeder einmal damit auseinandersetzen, egal ob krank oder gesund, denn niemand kann einem garantieren, dass er auch morgen noch körperlich und geistig in der Lage ist, sich um alle Belange des Lebens zu kümmern. Eine kleine Unaufmerksamkeit im Straßenverkehr reicht da oft schon aus. Noch vor einiger Zeit waren diese beiden Dokumente nur gültig, wenn sie notariell beglaubigt wurden. Mittlerweile hat sich die Gesetzessprechung in der Hinsicht geändert, dass jeder Mensch für sich ein paar Sätze aufschreiben kann und sich jeder danach zu richten hat (auch wenn dies leider noch nicht alle tun, insbesondere Ärzte, die ihre Berufsethik leider vor die letzten Wünsche und Verfügungen der Patienten setzen). In der Patientenverfügung geht es hauptsächlich um den medizinischen Aspekt: Möchte man künstlich ernährt werden, möchte man seine letzten Stunden zu Hause verbringen oder auch reanimiert werden, wenn fest steht, dass man dann nur noch im Koma liegen würde. Die Generalvollmacht dagegen umfasst alle Bereiche des Lebens: Geschäftsfähigkeit, Vollmachten gegenüber der Bank oder dem Vermieter, die Vetretungsbefugnis bei Rechtsgeschäften und meist kombiniert enthält sie dann auch die Patientenverfügung. Hierbei gilt, je genauer diese beiden Dokumente sind, desto genauer kann später nach euren Wünschen gehandelt werden. Sprecht im Vorwege mit der euch vertrauten Person, der ihr diese Vollmacht/Verfügung erteilt, damit er/sie in eurem Sinne handeln kann. Zuletzt noch je ein Beispiel für eine notariell ausgearbeitete Generalvollmacht und seperat die darin enthaltene Patientenverfügung. Hier gelangt ihr noch einmal zu einer Broschüre, was für Generalvollmacht und Patientenverfügung wichtig ist.
  • Ein heikles Thema - die eigene Bestattung: Es ist leider immer noch ein Tabuthema, über das kaum einer spricht. Doch warum? Der Tod gehört doch zum Leben dazu. Ich finde, dass sich, wie mit einer Patientenverfügung, jeder rechtzeitig mit dem Thema auseinandersetzen sollte. Als es mir so schlecht ging und ich mit Morphium vollgepumpt war, fingen meine Frau und ich auch an, über das Thema Beerdigung zu reden. Und für mich war eines klar: Wenn meine Familie schon mit meinem Tod belastet werden würde, dann sollen sie sich nicht auch noch um Bestatter, Art und Weise der Beerdigung und das drum herum kümmern müssen. Denn es gibt in dieser schweren Zeit genügend Dinge, die geregelt werden müssen, da müssen sich die Hinterbliebenen nicht auch noch um Dinge kümmern, die sich prima schon vorher regeln lassen. Und es lässt sich, was die Bestattung angeht, fast alles im Vorwege festlegen. So machte ich mir erst einmal Gedanken, wie ich bestattet werden möchte, wobei mir diese Seite sehr weiterhalf und ich war erst einmal überrascht, wie viele Arten es gibt. Dabei kam ich auf die Baumbestattung, die mir sehr gefiel. Denn der Gedanke, dass die Asche nahe den Wurzeln des Baumes vergraben wird, der Baum die Asche aufnehmen kann und man durch den Baum irgendwie weiterlebt gefiel mir sehr. Dann suchte ich mir ein Bestattungsunternehmen, welches diese Bestattung auch durchführt und wir machten vertraglich alles fest. Und ich meine alles. Denn wenn man sich rechtzeitig mir diesem Thema beschäftigt, kann man seine komplette Trauerfeier selbst organisieren - von Ansprachen bis sogar hin zur Musikauswahl. Persönlicher könnte eine Trauerfeier nicht sein und die Hinterbliebenen werden es euch danken, dass sie, wenn es so weit ist, diese Entscheidungen nicht treffen müssen und euch mit dieser persönlich organisierten Feier einfach in Erinnerung halten können.

Kranken-, Pflegekasse und MDK

Eingestellt am 17.02.2013

  • Das Pflegetagebuch: Bevor die Pflegekasse/der MDK euch bezüglich einer Pflegestufe begutachtet (insbesondere, wenn der MDK das erste Mal kommt und die Pflege erstmalig festgestellt werden soll), ist es ratsam, vorher ein Pflegetagebuch zu führen. In diesem Pflegetagebuch wird notiert, wann wieviel Zeit und bei welchen Verrichtungen der Pflegebedürftige Hilfe braucht. Dies ist in sofern anzuraten, da der MDK bei der Begutachtung nur einschätzen kann, bei welchen Verrichtungen der zu Pflegende Hilfe braucht und wieviel Zeit dafür nötig ist. Und diese Einschätzungen gehen auch mal voll am tatsächlichen Bedarf vorbei oder auf gut deutsch in die Hose. Das Pflegetagebuch sollte ca. eine Woche geführt werden und gibt dem MDK schon einmal einen groben Überblick. Das heißt allerdings nicht, dass er sich an diese Zeiten halten muss und diese genau so einschätzt. Doch wird es euch später auch helfen die Pflegestufe durchzuboxen, sollte der MDK zu einer völlig anderen Einschätzung kommen, was nicht selten der Fall ist, und es zu einem Widerspruch oder manchmal auch zu einer Klage kommt. Die AOK selbst hat hierzu mal eine Broschüre herausgegeben, wo auch noch einige andere Infos hierzu zu finden sind. Das Pflegetagebuch, welches dort als Beispiel angeführt wird, sieht zwar ziemllich aufwendig und übertrieben aus, wird euch und dem MDK aber sicher helfen. Noch ein Tipp: Wenn ihr bezüglich der Pflegestufe begutachtet werdet, wartet nicht darauf, dass euch der Gutachter danach fragt, denn das wird er nicht. Legt es ihm gleich am Anfang vor frei nach dem Motto: Ich hab' da schon mal vorbereitet Wink smile Am Rande is zum Tagebuch noch zu sagen, dass Erschwernisse, die die Pflege weitaus schwieriger gestalten (z.B. jemand mit Tics, wie einem ausschlagen, oder starken Spastiken), extra zu vermerken sind. Denn die Zeitkorridore bei der Pflege sind nur Richtwerte. Durchaus kann der MDK auch 7 Minuten für's Zähneputzen einplanen.
  • Der MDK kommt: Habt ihr eine Pflegestufe oder ein Hilfsmittel beantragt, kündigt sich der MDK (Medizinische Dienst der Krankenkassen) bei euch an. Dieser prüft, wie viel Hilfebedarf bei euch nötig ist oder ob ihr das Hilfsmittel wirklich braucht. Wichtig hierbei ist: Der MDK muss Argumente finden, dass ihr das Hilfsmittel oder die bestimmte Pflegestufe nicht braucht (oder eine niedrige ausreicht) und ihr müsst den MDK davon überzeugen, dass es eben nötig ist oder der Hilfebedarf sehr viel größer ist. Daher ist beim MDK immer wichtig, dass ihr etwas übertreibt, denn das herunterspielen übernimmt dann der MDK automatisch. Also kein "Das ist problematisch, aber irgendwie schaffen wir das schon". Das heißt für den MDK nichts anderes, als dass keine Hilfe nötig ist - klappt doch alles. Seht ihr ein Problem auf euch zu kommen oder seid mit einer Sache überfordert (auch, wenn ihr sie noch gehandelt bekommt), sagt dem MDK, dass es so nicht mehr geht und ihr es nicht mehr schafft.