Meine Heldin, meine Geliebte, meine Freundin, meine Frau

Herbert Grönemeyer - Liebe liegt nicht

Du dockst in keinem Hafen an, du bist im Dauerlauf Du hättest gern eine Neuigkeit, weil du an's Unfassbare, an Wunder glaubst Es wird kommen, wie es kommenmuss, du hast ein riesengrosses Ziel Du träumst von der zweiten Geburt, vom Neubeginn, dem überbordenden Gefühl

Liebe liegt nicht in der Luft, Liebe kommt von ganz allein Liebe ist eher ein Versuch, aber sie verändert einen

Liebe ist ein wirres Gemisch, Glück ein ultraleichtes Gas Und die beiden kennen sich, nur was hilft dir das

Liebe liegt nicht in der Luft, sie ist nicht alles, was du brauchst Sie funktioniert nach dem Zufallsprinzip, irgendwann trifft sie dich auch Und hat sie dich erst einmal erwischt, ist es anders als du glaubst Sie löscht deine Probleme nicht, aber sie verändert dich

Doch eines Tages, steht sie aufgebaut vor dir Dir verschlägts die Sprache, es wird dir alles leicht zuviel Und du wankst, schwingst, geniesst und fühlst endlich, wie du fliegst Dass du fliegst

Liebe liegt nicht in der Luft, Liebe kommt von ganz allein Liebe ist eher ein Versuch, aber sie verändert einen

Liebe erspart dir keinen Alltag, bricht nicht die Wolken auf Liebe schmeisst nicht ständig Reis, aber sie macht dich leicht

Im Kopf die Leinen los, Treue geschworen Und dann raus in die unendliche Weite, was kümmert dich das Morgen gross Du hast deine Zeit längst verlorn, dies ist dein wohlverdientes Heute

Liebe ist kein Automat, Liebe gibts nur als Kredit Liebe ist keine gute Tat, aber sie verändert dich Liebe erspart dir keinen Alltag, reisst nicht jeden Himmel auf Liebe schmeisst nicht ständig Reis, aber sie macht dich leicht Liebe erspart keine Konfusion, überwindet nicht jede Angst Liebe redet manchmal Mist, aber sie ist ein Neuanfang

Eine Geschichte über die Liebe

Ich weiß nicht mehr genau, wann wir uns zu ersten mal sahen. Auf jeden Fall stellte sich Claudia in dem Restaurant vor, in dem ich zu jener Zeit arbeitete. Sie kam in die Küche und machte eigentlich einen normalen Eindruck. Na ja, zugegeben: Wir hatten vor ihr fünf Nieten und ich erwartete nicht gerade eine Heldin. Ich schenkte ihr vorerst keine große Beachtung. Sie kam - und ging wahrscheinlich in einem Monat wieder. Doch sie sollte ihre Chance wie auch die anderen bekommen. Und irgendwie war sie doch auch anders...

Sie fing an zu arbeiten und ich merkte dann auch schnell, dass sie alles andere als eine Niete war - und das nicht nur an ihrem Arbeitsplatz. Und wer jetzt sagt, „kann man denn in einer Spülküche so viel verkehrt machen?“ Ohh ja, eigentlich alles, wie mir ihre Vorgängerinnen bewiesen.

Sie arbeitete nicht nur sehr gut, sie war auch sehr nett - na gut, ganz schön lieb. Schnell hatten wir morgens unser Ritual: Sie kam eine halbe Stunde vor Dienstbeginn, damit wir noch in Ruhe Kaffee trinken und klönen konnten. Es dauerte nicht lange, da kam ich dann noch zehn Minuten vor ihr, damit der Kaffee schon fertig war, wenn sie kam. Schwierig wurde es dann im Winter, wo sie als erstes Schnee fegen sollte. So musste ich eh schon früh aus den Federn, weil ich auf Grund des Weihnachtsgeschäftes sowieso früher anfangen musste zu arbeiten, und dann noch mal früher, damit ich schon Schnee fegen konnte und wir trotz der Arbeit unsere halbe Stunde zum Kaffee trinken hatten. Wir waren also ganz schnell ganz dicke. Und für Kollegen geht man doch gern mal eineinhalb Stunden früher zur Arbeit, oder?? Angel smile

Bei Claudia hat es recht schnell gefunkt, bei mir hat es etwas länger gedauert. Schon nachdem sie sich vorgestellt hatte, erzählte sie ihren Kids von mir. Oder ging es auch bei mir schnell? Mag sein, ich weiß es nicht. Denn für Freunde geht man doch gerne jeden Tag eine Stunde früher zur Arbeit, oder doch nicht? Wie dem auch sein, ins Zweifeln kam ich langsam, als ich Stress mit meiner damaligen Freundin hatte und Claudias Tochter mit Pfeiffrischem Drüsenfieber tagelang flach lag. Beide waren wir irgendwie am Boden zerstört und völlig fertig, telefonierten bis spät in die Nacht. Claudia hörte mir immer zu und ich bot ihr sogar an, meinen einzigen freien Tag zu opfern, damit sie sich mal austoben oder weggehen konnte, während ich bei Sarah blieb. Nur gingen wir zu dieser Zeit schon lange nicht mehr ohne einander weg. Wenn wir was unternahmen, dann zusammen, wie Freunde das so tun. Aber nur zusammen, und nur wir beide. Wenn Claudia am Wochenende irgendwo bei Nachbarn zum Grillen in den Garten kommen sollte, sagte sie „Geht nicht, vielleicht ruft Lars an“. Und ich sagte sogar meinen obligatorischen Sonntagskaffee mit meiner Mutter ab; hätte ja sein können, dass Claudia anruft. Nur ich merkte nichts. Ich wollte schließlich nur direkt in den Garten, sollte Claudia anrufen. Wobei: Ich merkte da schon was, aber ich ließ es nicht zu.

So ging das über ein Jahr lang. Ich war so häufig mit Claudia weg und zusammen, wie ich es mit allen Verabredungen meines Lebens nicht war. Ich hatte mich mitlerweile von meiner damaligen Freundin getrennt, weil Claudia mir dazu geraten hatte. Ich wurde eifersüchtig auf Männer, die Claudia „ganz nett“ fand, doch ich begriff immer noch nicht richtig, bzw. ließ es immer noch nicht zu. Dazu musste erst eine Nacht im Garten und ein Mann her, der ihr ganz klare Avancen machte - und sie reagierte auch noch darauf und erzählte es mir … Frechheit!!

Es fing damit an, dass Claudia eine Gartenparty gab, die natürlich nur am Sonntag statt finden konnte, weil ich Samstag noch arbeiten musste. Nur aus diesem Grund fand die Party entgegen der anderen Jahre dieses Mal am Sonntag statt. Alle waren schon der Meinung, dass wir zusammen waren. „Neeiiiiiin, wir sind nur gute Freunde.“ „Ach was, ihr habt doch was miteinander.“ „Nee, wirklich nicht. Wie kommt ihr darauf?“ Wir machten aus, dass ich Abends bei ihr im Garten schlief, damit ich nicht noch spät (um 20.00 Uhr ??) nach Hause musste. Tja, und da geschah es - nicht, was ihr denkt: Claudia und ich lagen in einer Hütte, einen Meter voneinander entfernt - und wir konnten die ganze Nacht nicht schlafen, weil wir mit klopfendem Herzen so nah beieinander lagen - und so auch liegen blieben. Zwei Teenager wären nichts gegen uns gewesen. Als die Sonne aufging stand ich auf und … ja, das war's! Verliebt bis über beide Ohren lagen wir die ganze Nacht wach, sprachen kein Wort und warteten, dass die Nacht verging. Ich kochte also Kaffee, als die Sonne aufging, räumte draußen schon den ganzen Müll, Tische und Stühle auf - und bekam sie ( Claudia, nicht die Stühle ) fortan nicht mehr aus dem Kopf.

Doch änderte das erstmal gar nichts. Denn das alles tat ich ja immer noch nur aus Freundschaft. Eine Beziehung mit Claudia? Nein, unmöglich!! Sie war viel älter, älter als ich war sie, und außerdem 15 Jahre älter, und dann noch so alt - 15 Jahre - und älter war sie ja auch noch ... Mir gingen die Argumente aus, wie ich dann selbst langsam zugeben musste. Als dann auch noch Thomas, ein Nachbar aus dem Schrebergarten, ins Spiel kam, der es "auf sie abgesehen hatte" und ihr eine Kuschelblume ! mitbrachte, riss mir VOR EIFERSUCHT FAST DER KRAGEN!!!!! Aber sie war eh zu alt für mich - das konnte sowieso nicht gut gehen, also wozu eigentlich aufregen … ? Trotzdem regte ich mich auf. Aber ich sollte sie mir besser abschminken. Lieber sah ich sie glücklich mit Thomas (den ich den Rest meines Lebens gehasst hätte), als dass es mich die Freundschaft gekostet hätte. Ich wollte sie nur gklücklich sehen, und außerdem war sie eh zu alt für mich. Nur gab es da ein Problem: In dieser Konstellation wäre unsere Freundschaft nie so tief geblieben, da es schon immer mehr als Freundschft war. So gab es nur eine Lösung: Eine Beziehung. Doch sie war viel zu alt !?!?!?

Zum Glück bekam ich eines Abends, es war der 15.07.2006, bei der Arbeit mitten im dicksten Abendgeschäft eine sms von Claudia, die ich natürlich auch gleich, mit 40 zu kochenden Essen im Rücken, lesen musste: Sie müsste dringend mit mir reden. Ich wusste sofort worüber, und auch, dass an diesem Abend eine Entscheidung fallen würde. Entweder, oder... So müde und ausgepumpt ich von dem Abend war, genau so wach war ich mit einmal auch wieder und fuhr also nach der Arbeit um 23.00 in den Garten zu ihr...

Auf immer und ewig

Sie erwartete mich dort freudestrahlend und auch mein Herz fing direkt an zu pochen - so ist das halt bei Freunden. Bestimmt eine Stunde unterhielten wir uns erst einmal über belangloses Zeug, bis sie dann auf den Punkt kam: Das zwischen uns ist ja etwas besonderes. Aber damit war es nicht getan. Wir redeten uns dann noch gegenseitig eine geschlagene Stunde lang ein, dass das mit uns nicht klappen kann, bis irgendwann nur noch das Argument des Altersunterschiedes im Raum stand und ich einfach nicht mehr gehen wollte. Doch genau so, wie Claudia überhaupt den ersten Schritt machte und das Gespräch suchte, sprach ich dann die magischen Worte: „So geht es eh nicht weiter. Lass es uns versuchen ...“

Und wenn nicht an diesem Abend, irgendwann wären wir zusammengekommen oder hätten uns nie wieder gesehen. Denn eine Freundschaft war für uns einfach nicht vorgesehen. Wären wir kein Paar geworden, die Freundschaft hätte der Partnersuche oder dem nächsten Flirt des anderen nicht standhalten können. Und so bin ich über alles froh, dass wir den Schritt gewagt, aber nie bereut haben. Unser Umfeld war dafür um so mehr geschockt: Erst redeten sie uns ein, dass wir doch zusammen sind, und dann, nach zwei Jahren !, waren wir es, als sich alle schon damit abgefunden hatten, dass wir es nicht sind.

Das schon kurz darauf unser Glück ein jähes Ende nehmen sollte (war ja noch gesund), wussten wir noch nicht. Und ein Jahr später heirateten wir, verliebter denn je, trotzdem. Und unser Glück nahm auch nicht wirklich ein Ende. Denn trotz der … ja, ganzen Scheiße, in der wir heute sitzen, sind wir wahrscheinlich immer noch glücklicher, als so manch normales Paar. Ich liebe meine Frau noch wie am ersten Tag; wobei nicht ganz, denn am Anfang war ich verliebt - nun kann ich tief und innig lieben und bin nach fast fünf Jahren trotzdem noch verliebt. Und statt dessen es mal weniger wird, wird es dennoch immer mehr, auch wenn die Situation immer beschissener wird.

Mittlerweile bin ich vollgepumpt mit schweren Medikamenten und habe Angst, meine über alles geliebte Frau irgendwann nicht mehr zu erkennen. Aber eines weiß ich dennoch: Auch wenn mein Erinnerungsvermögen irgendwann gleich Null sein wird: Dieses tiefe Gefühl der Liebe werde ich immer spüren. Auch wenn ich nicht mehr weiß, wer diese Person vor mir eigentlich ist, der dieses Gefühl gilt.