Das Blatt wendet sich, eine Diagnose!

Eine Diagnose

Nachdem ich aus Kiel kam fingen wir wieder bei Null an. Was sollten wir als nächstes tun? Mein Arzt ging zum Ursprung des Ganzen zurück - der RLS-Theorie. Er hätte schon Patienten gehabt, bei denen RLS auch so stark ausgeprägt wäre wie bei mir, wobei ich alles andere toppen würde. Da Ropinirol bei starkem RLS sehr gut helfen sollte bekam ich es nun auch. Leider ist es nicht sehr Magenverträglich. Und so schön es ist, dass es tatsächlich hilft meine Schübe etwas zu bremsen, so war mit der Aufdosierung auch recht schnell Schluss, weil mir nur noch schlecht war.

Kurze Zeit später, mittlerweile September '09, setzten wieder einmal starke Rückenschmerzen ein. Jedoch dieses und das erste Mal im Lendenwirbelbereich. Diese steigerten sich immer mehr, bis auf einmal ein stechender Schmerz aus dem unteren Rücken bis ins Bein schoss... Ich wollte mich darauf hin eigentlich von meinem Arzt knacken lassen, weil ich dachte, ein Wirbel hätte sich verschoben. Aber auf Grund einer anderen Patientin von ihm kam er zu einer neuen Idee: Wirbelgleiten. Das würde alle Symptome erklären und auch die neuen, einstechenden Schmerzen.

Nun stellte sich die Frage, wie man mich mit dem Zucken röntgen sollte, noch dazu bei Belastung (denn nur so konnte das Wirbelgleiten sichtbar gemacht werden) ? Zum Glück hatte mein Arzt auch dafür eine Lösung parat: Ein upright-MRT, bei dem man auch im stehen und sitzen, und somit bei Belastungsschmerz geröntgt werden konnte. Jedoch erwies sich dieses Vorhaben als nicht ganz einfach. Da es sich um eine Privatpraxis in Hannover handelte mussten wir die Kosten selbst zahlen - vorerst zumindest. Nach zwei Wochen Kampf mit der Krankenkasse bekamen wir aber das OK. Leider hatten wir das noch nicht, als die Aufnahmen gemacht wurden. So wurde ich nicht mit dem Krankentransport dorthin gebracht, sondern wir mussten den Zug nehmen. Da ich vor Schmerzen nicht einmal mehr im Rollstuhl sitzen konnte, war das eine sehr harte und schmerzlichen Fahrt. Und auch die Aufnahmen liefen nicht ohne Tränen ab, denn sie mussten in genau den Haltungen gemacht werden, in denen es am schmerzhaftesten war. Aber, und ihr werdet es kaum glauben: Wir haben tatsächlich etwas gefunden !! Das erste Mal nach drei Jahren Tortour hatten wir etwas in der Hand.

Das Wirbelgleiten, welches wir vermuteten, war minimal ( 2 bis 3 mm ) und wohl kaum der Auslöser meiner Schmerzen oder meiner Krankheit. Jedoch zeigte sich ein leichter Bandscheibenvorfall und ein entzündeter Nerv, der mit irgendeinem Gewebe umgeben war. Erst stellte sich nun die Frage, ob es sich um einen Tumor handeln könnte. Bei einem weiteren, normalen MRT zeigte sich jedoch, dass es sich um Entzündungsgewebe handelte, welches sich mittlerweile schon gebildet hatte. Nun ging es darum, den Nerv zu behandeln. Nur kam ein neues Problem auf: Welcher Arzt traute sich mir mit meinem Zucken eine 14cm lange Nadel in den Rücken zu schieben? Mein Arzt stellte den Kontakt zu dem Neurochirurgen her, mit dem er auch schon über mich gesprochen hatte und dieser erklärte sich bereit, es zu versuchen. Meine Schmerzen waren mittlerweile so stark und über den langen Zeitraum so kräftezehrend gewesen, dass mir mittlerweile alles egal war. Ich hatte keine Kraft mehr, konnte und wollte auch nicht mehr.

So setzte nicht ich, sondern wieder mal mein Arzt und meine Frau alles in Bewegung, dass ich schnellst möglich einen Termin bei dem Neurochirurgen bekommen sollte. Er untersuchte mich und erklärte sich bereit, mich zu behandeln. Er konnte für keinen Erfolg garantieren, aber er wollte versuchen, mir unter Narkose einen Cortisoncocktail zu spritzen. Es war die Hölle, da ich dabei auch noch auf dem Bauch liegen musste und ich genau das nicht konnte - aber es hatte funktioniert, und man konnte das erste Mal bei mir eine Diagnose nicht nur stellen, sondern sie sogar behandeln ..."